„Alter Hund“ Ryding jubelt über Kitz-Sieg: „Habe immer daran geglaubt“

via Sky Sport Austria

Im alten Hund steckt wahrlich doch noch Leben. Dave Ryding gewann den turbulent verlaufenen Slalom in Kitzbühel und schrieb sich als erster Sieger aus Großbritannien in die 55 Jahre alten Geschichtsbücher des alpinen Ski-Weltcups ein. „Mit 13 bin ich in die Welt hinaus gezogen, um Ski zu fahren“, erinnerte sich der 35-Jährige einst zurück. „Am Anfang war es ein Schock, es war ein langer Weg.“ Dieser fand am Samstag im Ski-Mekka Kitzbühel vorerst seinen Höhepunkt.

„Der Dave ist ein richtig netter Mensch“, sagte Österreichs Tagesbester, der viertplatzierte Michael Matt. „Ich kann mich erinnern: Vor einigen Jahren hat er geführt, da haben ihm die Knie gezittert am Start. Er war dann Zweiter bei sehr, sehr schwieriger Kurssetzung. Das liegt ihm.“ Tatsächlich war Ryding 2017 nach einer Halbzeit-Führung Zweiter – geschlagen nur vom großen Marcel Hirscher.

Am Samstag machte der Mann aus Lancashire, der Grafschaft nördlich von Liverpool und Manchester, den letzten Schritt aufs oberste Treppchen. Und sendete in seine Heimat ein Signal, das heißen könnte: Auch Buben, die das Skifahren unter Anleitung des Vaters auf Plastikmatten lernen, können irgendwann ein Weltcup-Rennen gewinnen.

„Bin nicht immer der einfachste Umgang“

Obwohl dies mitunter dauern kann, und Trainingsjahre in Österreich, von Ryding bevorzugt in Hinterstoder oder auf der Reiteralm benötigt. „Ich habe nie aufgehört zu kämpfen“, sagte der angeblich „Rocket Ryding“ gerufene Ski-Exot. „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann, aber meine (verbleibenden) Rennen wurden weniger und weniger und Zweifel sind immer da.“

In solchen Momenten habe ihn sein Unterstützer-Team – viele Trainer, Betreuer und Sponsoren haben Österreich-Bezug – „gepusht“, sagte Ryding, „manchmal mehr als mir lieb war“. Auch seine Familie und Verlobte Mandy, mit der er im Sommer 2019 ein „Cafehaus“ in Tarleton, nahe Blackburn eröffnete, unterstütze ihn zu jederzeit. „Obwohl ich nicht immer der Einfachste im Umgang bin.“

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Gerührt und stolz stellte sich Ryding am Samstag selbst ein Zeugnis aus: „Ich schätze, in diesem alten Hund ist noch Leben.“ Der (späte) Sieg bedeute ihm die Welt. Von der britischen Insel hat neben ihm nur ein anderer Mann je ein Weltcup-Podest bestiegen: Vor gut 40 Jahren war Konrad Bartelski in einer Gröden-Abfahrt Zweiter geworden.

Nicht zuletzt freute sich der Ski-Weltverband beim Sensationssieg der 82. Hahnenkamm-Auflage über wichtige Schlagzeilen, wie Michel Vion, der Generalsekretär der FIS, erklärte. „Für den Alpinsport ist das perfekt, Großbritannien ist wichtig für uns, was Marketing und Interesse betrifft.“

ÖSV-Rennsportler Andreas Puelacher meinte zur Erfolgsstory: „Voll schön für ihn natürlich und Großbritannien. Er kann Skifahren, das wissen wir alle miteinander, sonst wäre er nicht in der ersten Startgruppe. Er hat das heute am besten gemacht.“

(APA) / Bild: GEPA