Auftaktsieg bei Premiere! Tagger zieht in zweite Indian-Wells-Runde ein
Es ist kurz nach Mitternacht (MEZ), als eine 18‑jährige Osttirolerin die Tenniswelt durcheinanderwirbelt. Lilli Tagger, die vor neun Monaten noch als Juniorin in Roland-Garros aufschlug, betritt in Indian Wells erstmals die große Bühne eines WTA‑1000‑Hauptbewerbs.
Mit entschlossener Körpersprache und einer Reife dominiert sie die Partie gegen Varvara Gracheva. Die Französin, Nummer 58 der Welt, gilt klar als Favoritin. Doch Tagger lässt sich nicht weiter einschüchtern. Am Ende steht ein 6:2, 6:4-Erfolg.
„Wahnsinn! Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich jetzt hier stehe und gegen so eine Spielerin gewinnen kann. Deshalb bin ich auch sehr stolz auf mich“, sagt sie nach ihrem Premierenerfolg und man glaubt ihr die Fassungslosigkeit genauso wie die innere Stärke.
Zwischen Legenden und dem Beginn einer neuen Ära
Dass Tagger überhaupt eine Wildcard erhalten hat, ist außergewöhnlich. In einem Teilnehmerinnenfeld, das Namen wie Donna Vekic, Venus Williams oder Bianca Andreescu führt, taucht plötzlich eine junge Österreicherin auf, die über die Juniorkategorie hinaus erst seit wenigen Monaten auf der großen Bühne unterwegs ist.
Während Williams nach einem Dreisatzkrimi gegen Diane Parry ihre achte Niederlage in Folge verkraften muss, schreibt Tagger mit ihrem ersten Auftritt bereits ein eigenes, kleines Kapitel in diesem Turnier.
Ein Match, das Haltung zeigte
Taggers Leistung war weit mehr als ein statistischer Sieg. Schon im ersten Aufschlagspiel ihrer Gegnerin zeigte sie mit druckvollen Grundlinienbällen, was sie an diesem Abend vorhatte. Sie nutzte ihre Chancen konsequent, servierte stabil und hielt auch in jenen Momenten die Nerven, in denen sich Gracheva zurückkämpfte. Vor allem das entscheidende Break zum 5:4 im zweiten Satz offenbarte die neue Selbstverständlichkeit, mit der die 18‑Jährige inzwischen auftritt.
Mit dem Erfolg klettert sie im Ranking auf Platz 112 – ein weiterer Sprung innerhalb einer Entwicklung, die seit Monaten Fahrt aufgenommen hat.
Ein feministischer Kampftag, der sich im Sport spiegelt
Während vielerorts über Sichtbarkeit und Gleichberechtigung von Frauen im Sport diskutiert wird, demonstriert Tagger auf dem Platz, was Fortschritt im echten Leben bedeutet: Er zeigt sich dort, wo Frauen nicht um Teilnahme ersuchen müssen, sondern sich mit Leistung ihren Raum nehmen.
Österreich erlebt derzeit mehrere solcher Momente. In unterschiedlichen Disziplinen prägen weibliche Athletinnen das sportliche Bild des Landes neu. Tagger reiht sich nun eindrucksvoll in diese Bewegung ein – nicht durch große Worte, sondern durch präzise geschlagene Bälle und das Selbstbewusstsein, mit 18 Jahren auf einem der größten Courts der Welt aufzutreten.
Die nächste Prüfung: Maria Sakkari
Doch der Weg wird nicht einfacher. In der zweiten Runde wartet die Griechin Maria Sakkari, die aktuell auf Platz 32 der Weltrangliste ist und ein Freilos erhalten hat. 2023 hat sie in Guadalajara bereits ein 1000er-Turnier gewonnen.
Sollte ihr gegen Sakkari der nächste Coup gelingen, könnte es am Montag sogar zu einem Duell mit der Nummer zwei gereihte Polin Iga Świątek kommen.
Taggers Reise hat gerade erst begonnen. Und sie zeigt bereits jetzt, dass österreichischer Frauensport nicht nur gefeiert wird, sondern auch immer mehr in der Vordergrund rückt.
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