Schon wieder Sturm! Hedl erlebt bitteres Déjà-vu

Schon wieder Sturm! Hedl erlebt bitteres Déjà-vu

Wie heißt es manchmal so schön: Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich. Im Fall von Niklas Hedl schrieb der Fußball am Ostersonntag eine neue Geschichte, die einer älteren auf fast schon unheimliche Art ähnelte.

Rückblick: Am 19. April 2024 ist der SK Rapid in der Meistergruppe an einem Freitagabend beim SK Sturm zu Gast. Für die Grazer geht es in dieser Phase der Saison um nicht weniger als den Meistertitel in einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Seriensieger Red Bull Salzburg.

Die Partie ist lange umkämpft, Sturm hat etwas mehr vom Spiel. Ein Tor will der Ilzer-Elf aber nicht gelingen – bis zur 79. Minute. Dann macht sich Hedl eine bis dato fehlerlose Leistung zunichte, indem er einen viel zu weit geratenen Steilpass von Camara auf unerklärbare Art und Weise wieder auslässt.

Biereth bedankt sich und läuft mit dem Ball ins leere Tor. Sturm siegt mit 1:0 und sammelt enorm wichtige drei Punkte im Kampf um die Meisterschaft.

Unfassbarer Patzer von Hedl! Biereth bringt Sturm in Führung

Zwei Jahre später: Hedl patzt erneut gegen Sturm

Knapp zwei Jahre später, am 5. April 2026, kam es beinahe zu einer Duplizität der Ereignisse. Denn Hedl sorgte abermals mit einem schweren Schnitzer für Aufsehen und legte sich am Ostersonntag selbst ein Ei – und das ausgerechnet wieder gegen Sturm Graz.

Einen wuchtigen, aber auch unplatzierten Distanzschuss von Youngster Jacob Peter Hödl ließ der Rapid-Goalie durch die Hände rutschen. Angreifer Seedy Jatta reagierte blitzschnell, nutzte Hedls kurze Verwirrung aus und drückte die Kugel zum 2:0-Endstand über die Linie.

Der Moment, in dem alles zu spät ist: Hedl liegt enttäuscht am Boden, Jatta dreht zum Jubel ab. © GEPA

Auch wenn der Patzer von Hedl beim Stand von 0:1 in diesem Fall keine Punkte kostete, war er dennoch gleichbedeutend mit der Vorentscheidung. Das an diesem Nachmittag ungefährliche Rapid hatte nach diesem Nackenschlag nichts mehr entgegenzusetzen. Sturm baute mit dem Erfolg seine Tabellenführung auf vier Punkte aus, während die Grün-Weißen im Meisterrennen einen Rückschlag erlitten.

Hedl mit Blackout – Jatta staubt ab

Silberberger äußert Vermutung

Sky-Experte Thomas Silberberger fühlte nach der Partie mit Pechvogel Hedl und äußerte zugleich eine Vermutung, weshalb der Rapid-Goalie phasenweise unsicher wirkt. „Mit so einer Aktion würde er am liebsten in einem Loch versinken. Er hat immer wieder solche Phasen. Meistens kamen solche Böcke in dem Moment, wenn man ihm mit dem Nationalteam in Verbindung bringt“, sagte Silberberger.

„Als er früher in der Saison seine Fehler gemacht hat, auf der Ersatzbank war und sich dann wieder super zurückgearbeitet hat, da war er nie ein Thema dort. Und kaum kommt wieder das Thema auf, wer als Nummer drei mit zur WM fährt – Polster, Hedl oder Wiegele – dann passieren ihm wieder solche Sachen. Das ist leider extrem bitter für den Burschen“, so Silberberger weiter.

Hedl galt auch zur Zeit seines ersten Patzers gegen Sturm im April 2024 als Aspirant auf den EM-Kader und wurde von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick als dritter Torhüter hinter Pentz und Lindner zur Endrunde mitgenommen.

Für Hedl sei es nun wichtig, den Fehler mental zu verarbeiten. Möglicherweise auch mit Angeboten außerhalb der Rapid-Familie, wie Silberberger anregte: „Es ist wichtig für einen Spitzensportler, dass man auch mal über den Tellerrand hinausschaut und eine Sichtweise von jemand anderem zulässt.“

Kapitän Seidl: „Natürlich nicht optimal“

Aus der Mannschaft selbst gab es nach dem Spiel gemischte Reaktionen. Rapid-Kapitän Matthias Seidl zeigte einerseits Verständnis für seinen Teamkollegen, konnte die Enttäuschung im Sky-Interview aber auch nicht gänzlich verbergen.

„Für einen Torhüter ist ein Fehler immer bitter. Ein Fehler ist oft gleich auch ein Tor. Wenn man das 0:2 so bekommt, ist es natürlich nicht optimal. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir die Situation hätten verteidigen können. Wir haben generell zu viele Schüsse aus 20 Metern zugelassen. Es war natürlich ein unglücklicher Fehler, aber weiter geht’s“, sagte Seidl.

Hoff Thorup nimmt Hedl in Schutz

Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup machte Hedl nach der Partie keine Vorwürfe und nahm den 25-Jährigen in Schutz. Der Däne glaubt nicht, dass Hedl der Fehler lange belasten wird.

„Was wir in den vergangenen vier Wochen von ihm gesehen haben, war außergewöhnlich. Entscheidend ist nun, wie er jetzt im Training darauf reagiert. Natürlich haben wir uns so einen Fehler nicht gewünscht, aber das kann eben passieren“, sagte sich Hoff Thorup nach dem Spiel im Sky-Interview.

Hedl vor Blackout stabil

Beim Blick auf die vergangenen Wochen lässt sich Hoff Thorups Meinung zu Hedls „außergewöhnlichen“ Leistungen zumindest teilweise nachvollziehen.

Etwa beim so wichtigen „Endspiel“ um die Meistergruppe gegen Red Bull Salzburg Anfang März war Hedl der beste Rapidler auf dem Platz und verhinderte mehrfach mit starken Paraden einen Salzburger Treffer. Rapid gewann die Zitterpartie am Ende mit 1:0 und zog dadurch überhaupt erst in die Meistergruppe ein.

Auch im direkt darauffolgenden Duell mit Salzburg zum Meistergruppen-Auftakt zeigte der Rapid-Schlussmann eine fehlerfreie Leistung und blieb beim 1:0-Erfolg neuerlich ohne Gegentor gegen die „Roten Bullen“.

Die nächste Chance, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen und den Fehler vergessen zu machen, hat Hedl am kommenden Wochenende. Dann ist Rapid im Derby bei der Wiener Austria zu Gast (Sonntag ab 16:30 Uhr live & exklusiv auf Sky Sport Austria und im Stream mit Sky X).

Hedl: „Keiner in der Kabine spricht vom Titel“

Bild: Imago